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Die Hintergründe der MS
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Die Ursachen der MS
Wie bei allen Automimmunerkrankungen finden sich auch bei der MS mehrere Faktoren zusammen, die dafür sorgen, daß das Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift.
Erbliche Faktoren:
Es wird eine genetische Anfälligkeit vererbt, nicht jedoch die Krankheit selbst.
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Virusinfektionen:
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Studien an Mensch und Tier haben gezeigt, daß Viren tatsächlich nach einer langen Verweildauer im Organismus chronische Entzündungen mit einer Zerstörung von Markscheiden im Zentralnervensystem hervorrufen können. In der jüngeren Vergangenheit wird die Rolle von Herpesviren sowie von bakteriellen Infektionen mit Chlamydien (mit Bakterien eng verwandte Mikroorganismen) betont.
Da sich die Fachwelt über die Notwendigkeit des Zusammentreffens mehrerer Faktoren einig ist, dürfte die Suche nach einer einzigen Ursache ergebnislos bleiben.
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Selbstantigen und autoimmune Mechanismen
Letztlich ist die Markscheide der Nervenfasern im Gehirn aufgrund ihrer nachgeburtlichen Entwicklung für jeden Menschen ein Selbstantigen, d.h. kann das Ziel eines Angriffs des Immunsystems sein. Die natürlichen Schutzmechanismen, die solche Reaktionen bei den meisten Menschen verhindern, sind unzureichend erforscht.
Bestimmte weiße Blutkörperchen tragen den immunologischen Angriff bei der MS (sog. T-Lymphozyten). Die entsprechende Krankheitshypothese ist sehr schlüssig, streng wissenschaftlich jedoch nicht bewiesen. Fast alle Behandlungen zielen auf die Unterdrückung oder Modulation immuner Reaktionen ab. Leider sind es aber gerade die Therapieergebnisse, die zur Kritik an der Hypothese dringend Anlass geben, da bisher lediglich eine Verlangsamung des natürlichen Krankheitsverlaufes erreicht wurde.
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Unspezifische Abwehrmechanismen:
Mit Sicherheit ist die MS eine chronische Entzündung. Bei der Gewebszerstörung sind nicht nur spezifisch immunologische Mechanismen zu berücksichtigen, sondern alle Abwehrmaßnahmen des Körpers. Insbesondere muss bei der MS-typischen Zerstörung an eine andere Gruppe weißer Blutkörperchen (sog. Freßzellen-Phagozyten), Faktoren des Blutserums (sog. Komplementsystem) sowie das gesteuerte Zusammenspiel aller Komponenten durch Botenstoffe (sog. Zytokine) gedacht werden. Alle Behandlungsansätze, die diesen Umstand ausreichend berücksichtigen, sind mindestens vernünftig.
Physiologische Faktoren:
Die MS zeigt die ersten Symptome bevorzugt zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Frauen sind deutlich häufiger betroffen.
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Die Verlaufsformen
Die Diagnose MS ist im ersten Moment sicherlich erst einmal eine niederschmetternde Nachricht. Doch sei hier betont, daß die Krankheit nicht zwangsläufig einen dramatischen Verlauf nehmen muß. Im Gegenteil, die Wahrscheinlichkeit auf eine relativ normale Lebenserwartung bei ausreichend erhaltenem körperlichem Leistungsvermögen ist sogar relativ groß.
Die „typische MS“ gibt es nicht. Die Symptomenbilder der einzelnen Krankheitsverläufe sind individuell sehr unterschiedlich. Vom klinischen Standpunkt aus unterscheidet man heute generell vier Verlaufsformen:
Schubförmiger Verlauf:
Von einem Schub spricht man, wenn neue Symptome auftreten und länger als 24 Stunden andauern oder wenn frühere Symptome sich nach mindestens einmonatigem Abstand wieder deutlich verstärken. Ein schubförmiger Verlauf beinhaltet aber auch eine vollständige oder weitgehende Rückbildung der neurologischen Symptomatik.
Schubförmig-progredienter Verlauf:
Diese Form des MS-Verlaufs definiert sich über Schübe, bei denen sich die neurologischen Symptome nur unvollständig zurückbilden. Über mehrere Krankheitsjahre kommt es zu einer fortschreitenden Zunahme der Restsymptomatik.
Sekundär chronisch-progredienter Verlauf:
Diese Krankheitsetappe beinhaltet eine schleichende chronische Verschlechterung. Teilweise wird dieser schleichende Verlauf von schubförmigen Symptomverstärkungen begleitet
Primär chronisch-progredienter Verlauf:
Ein MS-Verlauf, bei dem die Symptome von Anfang an langsam, aber beständig fortschreiten, ohne je von Schüben begleitet worden zu sein.
Nach neuesten Vorschlägen soll auch eine sog. Übergangsform unterschieden werden, die den Zustand zwischen Schubförmigkeit und sekundär-chronischem Verlauf beschreibt.
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Schweregrad der MS
Die individuell doch sehr verschiedenen Symptomausprägungen und Krankheitsverläufe erschweren in erheblichem Maße die individuelle Einstufung von MS-Patienten und damit ihre Vergleichbarkeit untereinander.
Jedoch sind solche Bewertungsskalen unbedingt wichtig, beispielsweise für Verlaufsbeobachtungen sowie die Beurteilung von Therapieeffekten.
International am gebräuchlichsten ist die erweiterte Bewertungsskala von Kurtzke (sog. EDSS-Grade), die qualitative und quantitative Zusammenhänge beinhaltet. Danach wird die MS in 10 Schweregrade eingeteilt:
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0. kein krankhafter Befund
1. Unbedeutende Funktionsabweichungen von der Norm
2. Leichte Störungen wie leichte Spastik oder leichte Lähmungserscheinungen
3. Mittelschwere Störungen wie mäßige Antaxie, leichtere Halbseitensymptome
4. Funktionsausfälle, die deutlich behindern, aber noch Arbeitsfähigkeit ermöglichen
5. Dauerarbeitsunfähigkeit, Gehstrecke auf etwa 500 Meter eingeschränkt
6. Stark eingeschränkte Gehfähigkeit und nur mit diversen Gehhilfen
7. Patient ist an den Rollstuhl gebunden, kann diesen aber noch selbst beherrschen
8. Patient ist bettlägerig, wobei eine Funktion der Arme gegeben ist
9. Patient an Bett gebunden, mit völliger Unfähigkeit der Verrichtung irgendwelcher Dinge
10. Tod infolge MS-Erkrankung
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Wenn auch die Einschränkung der psycho-mentalen Leistungsfähigkeit (wie auch bei den meisten anderen Bewertungsskalen) nicht optimal berücksichtigt wurde, so ermöglicht diese Skala doch eine für den Praxisalltag ausreichende Einstufung der individuellen Behinderung.
Es werden auch Untereinheiten von 0,5 EDSS-Graden unterschieden, die die Einteilung präziser machen. Bei einem Schweregrad über 4 EDSS dominiert die eingeschränkte Gehfähigkeit oder die Verwendung von Hilfsmitteln die Einteilung des klinischen Zustands.
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